Die folgende Antwort ist im Team Kassen abgesprochen (Stand 2012) und basiert auf bereits vorhandene Aussagen in den BGI/ GUV-I 819-2-3.
Ausgangspunkt ist eine PLUS-Geschäftsstelle mit biometrisch gesteuerten Tagestresor und Cash Recycler (CRS) / Geldautomat (GAA).
Was sind Whitecards und wo müssen diese aufbewahrt werden?
Fester Bestandteil des Kassensicherungssystems ist in der PLUS-Stelle der der Banknotenautomat. Möglichst viele Auszahlungen sollen über den Automaten erfolgen. Wenn eine Auszahlung aufgrund von Limits in der Betragsfreigabe nicht erfolgen kann oder keine Kundenkarte vorhanden ist, kann die Auszahlung über Whitecards erfolgen. Whitecards sind Karten, welche nicht personenbezogenen sind – also keinem Kunden fest zugeordnet sind. Die Karten werden zur einmaligen Verwendung durch den Kunden genutzt. Im Banksystem (OSPlus, agree, bank21) wird der Karte ein Betrag zugeordnet und dieser kann dann am KBA (Automaten) durch Einstecken der Karte ausgezahlt werden. Der Kunde muss keinen PIN eingeben, sondern bekommt den Betrag nach einstecken der Karte ausbezahlt. Die Karte wird vom KBA eingezogen.
In der PLUS-Stelle sind Whitecards grundsätzlich wie Bargeld zu behandeln und müssen daher biometrisch gesichert sein. Die biometrische Sicherung der Whitecard kann auf zwei verschiedene Verfahren erfolgen. Das gängige Verfahren sichert die Karten im Tagestresor (Dispenser, Whitecard-Dispenser, Kartenspender). Dabei erfolgt die Ausgabe der Karten – biometrisch abgesichert) aus dem Kartenspender. Bei offener Aufbewahrung der Karten muss die Zuordnung des Auszahlungsbetrags (die Buchung im Banksystem) biometrisch abgesichert sein. Die biometrischen Freigaben erfolgen entweder durch 2 Mitarbeiter oder durch einen Mitarbeiter, zusammen mit einem Kunden. In der autarken SoC-Lösung von OSsecure werden beide Freigabe-Verfahren unterstützt (MA/MA und MA/KD). Bei der FI-integrierten Lösung (FI-Box) ist die biometrische Integration des Kunden in das System (OSPlus) technisch nicht möglich.
Zeitverzögerung
Dazu kommt je nach Betrag noch eine Zeitverzögerung bis zur tatsächlichen Auszahlung (Sperrzeiten nach BGI/GUV-I 819-3). Nach der BGI/GUV- 819-2 bzw. -3 ist es grundsätzlich unerheblich, wo die Zeitverzögerung bei der Auszahlung erfolgt, Hauptsache sie erfolgt. In der Praxis erfolgt die Zeitverzögerung üblicherweise nicht am Dispenser, sondern bei der Applikation des Rechenzentrums. Beispiel: Auszahlung € 2.000. Die Whitecard wird nach Freigabe sofort (ohne Zeitverzögerung) aus dem Dispenser ausgegeben. Von der Buchung des Auszahlungsbetrags, bis zur eigentlichen Geldausgabe aus dem KBA (GAA/CRS) vergeht durch die Buchungsschritte, dem Weg vom Kunden bis zum Automaten, dem Einführen der Karte mehr als 30 Sekunden.
Auffüllen der Karten im Dispenser
Das Fach, in welchem sich der Kartenspender befindet, muss zur Auffüllung der Karten geöffnet werden. Die Dispenser-Gesamtöffnung darf erst nach 5 Minuten erfolgen, nachdem sich zwei Mitarbeiter am biometrischen System angemeldet haben.
Bitte beachten Sie auch die Entnahme der „gebrauchten“ Whitecards aus dem GAA/CRS. Hier ist sicherzustellen, dass das Öffnen des Kopfes (Serviceeinheit) des Automaten nur mit zwei anwesenden Mitarbeitern (biometrisch abgesichert) und nach Zeitverzögerung von 5 Minuten erfolgt. Dies kann z.B. dadurch realisiert werden, indem der Schlüssel der Serviceeinheit im Dispenser Fach aufbewahrt wird. Die entnommenen Karten sind unverzüglich im Dispenser zu sichern (z.B. mit Funktion Dispenser-Schnellöffnung der SoC-Lösung).
Hat die Whitecard ein Limit?
Eine Whitecard, welche über Kunde und Mitarbeiter ausgegeben wird, ist auf € 5.000 beschränkt. Eine Whitecard, welche über 2 Mitarbeiter ausgegeben wird, ist rein theoretisch auf 25.000 EUR beschränkt, unter Beachtung der Sperrzeiten nach BGI/GUV-I 819-3. Grundsätzlich macht die Unterscheidung des Höchstbetrages nur dann Sinn, wenn die Applikation unterscheiden kann, ob die Auszahlung durch zwei Versicherte oder durch einen Versicherten zusammen mit einem Kunden erfolgt. Im Zweifel sind € 5.000 festzulegen oder eine 5 Min Sperrzeit zu hinterlegen.